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Die polnische Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts wird zwar hauptsächlich mit Themen wie die Teilungen und das Ringen um die nationale Identität, der Erste und Zweite Weltkrieg, die Rolle der katholischen Kirche und der Kommunismus in Verbindung gebracht. Aber sie wurde von denselben soziokulturellen Strömungen beeinflusst, die auch im Westen populär waren, einschließlich der Faszination für das Paranormale. In meinem Vortrag stelle ich zunächst die Anfänge des Interesses am Okkulten in der polnischen Kultur dar und gehe anschließend auf die Begeisterung von Autoren wie Stefan Grabiński und Władysław Reymont für dieses Thema sowie auf die Experimente von Julian Ochorowicz ein.
Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Zwischenkriegszeit. Einen besonderen Platz nimmt hier der Hellseher und Telepath Stefan Ossowiecki ein, der unter anderem mit Józef Piłsudski mit Telepathie experimentierte und mit Maria Pawlikowska-Jasnorzewska und ihrer Schwester Magdalena Samozwaniec bekannt war (die beiden Autorinnen hatten Erfahrung mit spiritistischen Séancen und Telepathie). Des Weiteren stelle ich einige Beispiele für das Interesse am Paranormalen in der Volksrepublik Polen vor, insb. anhand der Werke von Miron Białoszewski und seiner Freundin, der Dichterin Jadwiga Stańczakowa. Wenn es die Zeit erlaubt, gebe ich auch einen Einblick in die parapsychologischen und künstlerischen Aktivitäten von Lech E. Stefański und seinem ‚Medium‘, der Dichterin Anna Bernat.
Monika Bednarczuk hat den Lehrstuhl für Vergleichende Forschung und Editionswissenschaft an der Fakultät für Philologie der Universität Bialystok in Polen inne. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und hat zum Bild des spanischen Bürgerkrieges (1936–1939) in der polnischen Literatur (2005) promoviert und mit einer Arbeit zur Literatur und Publizistik rechter Autorinnen im Zwischenkriegspolen habilitiert (2015). Zu ihren Schwerpunkten gehören auch Egodokumente von Frauen, polnische Reiseliteratur, Wissens- und Kulturtransfer im frühen 19. Jh sowie westliche Esoterik im kommunistischen Polen. Das letztgenannte Thema steht im Mittelpunkt eines vom Polnischen Nationalen Forschungszentrum geförderten Forschungsprojekts, dessen Ergebnisse sie während des Vortrags präsentieren wird. (https://orcid.org/0000-0003-3490-3446)
This talk presents the findings of a research project which brought together scholars, memory workers and artists to critically reinterpret the connections between sites, their users (both human and non-human) and memory. The discussions, which were interdisciplinary in nature, focused on sites of violence that have been overlooked, repressed or ignored, and which may benefit from new approaches to memory studies that go beyond the traditional focus on communication, symbolism, representation and communality. In particular, clandestine or contested sites pose challenging questions about memory practices and policies, such as the status of unacknowledged victims, the position of bystanders, the ontology of human remains, and of the sites themselves, implicating the natural and communal environments in their perdurance. Methodologies emerging from traditional and recently introduced perspectives, such as forensic, ecological and material ones, enabled team members to engage with such ’non-sites of memory‘ from new angles. The goal was to consider the needs and interests of post-conflict societies, identify unofficial transmissions of memory and critically analyse them, and relocate memory in new contexts — in the grassroots of social, political and institutional processes, where the human, post-human and natural merge with unanticipated mnemonic dynamics.
Roma Sendyka, professor, head of a research team at the Department of Anthropology of Literature and Cultural Research at the Jagiellonian University. She is co-founder and first director of the Research Centre for Memory Cultures. She specializes in cultural theory, visual culture studies, and memory studies. Her current work focuses on bystanding societies, “non-sites of memory” and visual approaches to genocide representation.
Polnische Literatur in der Übersetzung: Texte – Menschen – Institutionen
Der Vortrag widmet sich der Übersetzung als Instrument des Literaturtransfers in einer breiten historischen und sozialen Perspektive. Am Beispiel der Präsenz polnischer Literatur auf dem internationalen Verlagsmarkt – insbesondere im englischsprachigen Raum – werden folgende Fragen erörtert: Wie gelangen die Werke der polnischen Literatur zu ausländischen Lesern? Wer liest polnische Literatur im Ausland?
Welche Autoren haben den größten Bekanntheitsgrad erlangt und welche Faktoren – inhaltliche und nicht-textliche – bestimmen diesen Transfer?
Anhand von Beispielen polnischer Texte im Ausland denken wir über die Rolle von Übersetzern, Herausgebern, Kritikern sowie Institutionen zur Förderung der polnischen Kultur bei der Popularisierung der polnischen Literatur nach.
Dr. Zofia Ziemann ist Übersetzungswissenschaftlerin und Assistenzprofessorin am Lehrstuhl für internationale polnische Studien der Fakultät für Polonistik der Jagiellonen-Universität in Krakau und Mitarbeiterin am Zentrum für Übersetzungsstudien der Universität. Sie studierte Anglistik und Kulturwissenschaften an der Universität Danzig, absolvierte ein Aufbaustudium für Konferenzdolmetscher und promovierte in Literaturwissenschaft an der Fakultät für Philologie der Jagiellonen-Universität. Ihr Forschungsinteresse gilt der Geschichte der literarischen Übersetzung, insbesondere der übersetzerischen Präsenz und Rezeption der polnischen Literatur im englischsprachigen Raum. Sie ist Mitglied des Redaktionsbeirats der wissenschaftlichen Zeitschriften „Przekładaniec“ (von 2014 bis 2022 als Redaktionssekretärin), „Pamiętnik Teatralny“ und „Schulz/Forum“ sowie Stipendiatin der Kosciuszko-Stiftung (Forschungsaufenthalt an der Indiana University Bloomington, USA). Sie hat NCN-Stipendien als Projektleiterin (Preludium, 2015–17) und Beauftragte (Opus, 2021–23) durchgeführt. Ab 2025 wird sie ein dreijähriges NCN-Sonata-Projekt zum Thema „Polnische Prosa in englischer Sprache nach 1918 aus übersetzungsgeschichtlicher und -soziologischer Sicht. Texte, Menschen, Institutionen“ leiten. Darüber hinaus ist sie als Englisch-Übersetzerin und Konferenzdolmetscherin tätig.
Weitere Informationen und Kontakt:
Dr. Camill Bartsch
Mainzer Polonicum, FB 05, und Arbeitsbereich Polnisch, FB 06, JGU Mainz
E-Mail: bartsch@uni-mainz.de
Internet: https://polnisch.fb06.uni-mainz.de/bartsch/ und https://www.slavistik.uni-mainz.de/mainzer-polonicum/