Wie wir miteinander umgehen, entscheidet darüber, ob Vertrauen wächst, Zusammenhalt entsteht und Konflikte gelöst werden können. Zugleich zeigt der Alltag, wie empfindlich ein einmal erreichtes soziales Gleichgewicht ist: Kleine Missverständnisse können große Spannungen erzeugen, unausgesprochene Erwartungen beeinflussen unser Verhalten und oft wirkt Macht dort, wo wir sie gar nicht vermuten. Die Vortragsreihe nimmt dieses Spannungsfeld zum Anlass, grundlegenden Fragen des sozialen Miteinanders nachzugehen.

Im Zentrum steht die Beobachtung, dass menschliche Beziehungen immer ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz, Einflussnahme und Neutralität, Kooperation und Konkurrenz sind. Jeder Kontakt – ob in Familie, Beruf, Öffentlichkeit oder der Politik – ist geprägt von unausgesprochenen Regeln und stillschweigenden Übereinkünften. Gleichzeitig verändern sich diese Regeln in einer dynamischen Gesellschaft permanent: durch neue Kommunikationsformen, politische Umbrüche oder kulturelle Erwartungen.

Daraus ergibt sich eine zentrale Herausforderung: Wie gestalten wir Beziehungen so, dass sie fair, verlässlich und tragfähig bleiben? Welche Formen von Macht sind notwendig, damit Gemeinschaft funktioniert – und welche kippen schnell in Ungerechtigkeit oder Ausgrenzung? Welche Formen der Kommunikation sind gewaltbehaftet, welche auf Gleichbehandlung ausgerichtet? Und: welche Normen, Werte oder Maßstäbe erlauben uns, Beziehungen zu bewerten, zu kritisieren oder zu verändern?

Die Reihe öffnet einen Raum, in dem unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven zusammenkommen: Philosophie, Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Neurowissenschaften, Linguistik und Wirtschaftswissenschaften. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie soziale Beziehungen entstehen, gelingen, scheitern oder sich verändern und wie sie zu bewerten sind – ob zwischen Einzelnen, in komplexeren Gruppen oder zwischen Staaten und anderen Organisationen.

Einführungsvideo zur Reihe „Wie wir miteinander umgehen. Macht, Fairness und soziale Beziehungen“

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Die Vorlesungsreihe ist öffentlich und richtet sich an alle Interessierten.
Der Besuch ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Soziale Macht ist allgegenwärtig: Eltern haben Macht über ihre Kinder, die Professorin hat Macht über ihre Mitarbeiter und der Richter besitzt soziale Macht über den Beklagten. Schon der Machtbegriff selber hat in der philosophischen Debatte für viele Kontroversen gesorgt, die in einem ersten Schritt skizziert werden. Klar scheint dabei, dass wir in normativer Hinsicht nicht alle Ausprägungen sozialer Macht gleich bewerten: während wir die Macht von Richter:innen in demokratischen Rechtstaaten (zumeist) gerechtfertigt finden, scheint uns die Macht von Professor:innen über ihre Mitarbeiter:innen (etwa angesichts von strukturellen Hintergrundbedingungen wie deren Befristung) manchmal ungerechtfertigt. Wann genau ist Macht aber willkürlich oder ungerecht – d.h. ab wann können wir von normativ problematischen Formen der „Beherrschung“ sprechen? Und wie können wir solche willkürlichen und ungerechten Formen der Macht kollektiv einhegen? Antworten auf diese Frage aus der (politischen) Philosophie werden in einem zweiten Schritt diskutiert. Schließlich soll die Frage beleuchtet werden, ob nur personale Akteure soziale Macht über andere Akteure haben können oder ob es Sinn macht auch davon zu sprechen, dass Strukturen soziale Macht besitzen. Diese Unterscheidung zwischen interpersonalen und strukturellen Formen der Beherrschung wird in der Philosophie aktuell mit Bezug auf Ausprägungen des Kapitalismus, Sexismus oder Rassismus diskutiert. Hier geht es also beispielsweise um die Frage, ob in sexistischen Gesellschaften immer nur Personen – etwa Männer – andere Personen – etwa Frauen – beherrschen oder ob es stattdessen Sinn macht, davon zu sprechen, dass „der Sexismus“ uns alle beherrscht.

Tamara Jugov ist seit 2021 Professorin für Praktische Philosophie an der TU Dresden. Zuvor war sie Juniorprofessorin für politische Philosophie und angewandte Gerechtigkeit mit Schwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit an der FU Berlin und Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsverbünden (Kollegforschergruppe Justitia Amplificata, Exzellenzcluster Normative Orders, SFB Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit). Sie ist Mitglied im DFG-Netzwerk Structural Injustice and Responsibility for Relational Equality und leitet aktuell mehrere (Teil-)Projekte in Forschungsverbünden. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der analytischen politischen Philosophie und der Sozialphilosophie, insbesondere auf Theorien sozialer und globaler Gerechtigkeit, Theorien der Macht- und Beherrschungskritik sowie Fragen der Feministischen Philosophie. Weitere Forschungsinteressen betreffen Fragen idealer und nicht-idealer Theorie und Fragen moralischer Verantwortung. In der Geschichte der Philosophie liegen Tamara Jugovs Schwerpunkte auf Kants Moral- und Rechtsphilosophie, der Geschichte des Liberalismus sowie der Kritischen Theorie. Ausgewählte Publikationen: Geltungsgründe globaler Gerechtigkeit, Frankfurt 2024 • „Ungerechtigkeit/Gerechtigkeit“, in: E. Hilgendorf/B. Zabel (Hg): Praktische Philosophie, Ethik und Recht. Eine interdisziplinäre Debatte, Stuttgart 2026 (i.E.). • „Wann ist eine Utopie hinreichend realistisch? Ideale Gerechtigkeitstheorien in der Diskussion“, in: Zeitschrift für Politische Theorie, 1-2023, 107–128. https://doi.org/10.3224/zpth.v14i1.06. • „Soziale Macht als Potenzialität“, in: Philosophische Symposien der DFG, 2 (2023). • „Strukturelle Ungerechtigkeit und Armut“, in: G. Schweiger/C. Sedmak (Hrsg): Handbuch Philosophie und Armut, Stuttgart 2021, 320–325. •„Structural Injustice, Epistemic Opacity and the Responsibilities of the Oppressed“ (mit Lea Ypi), in: Journal of Social Philosophy 50 (1) 2019, 7–27.

Dass Auseinandersetzungen um politische Konzepte und Maßnahmen zum Wesen der Demokratie gehören, ist für die meisten Bürger:innen eine Selbstverständlichkeit. Dies gilt auch für die Erkenntnis, dass derartige Auseinandersetzungen sprachlich geführt werden (sollten), Sprache also eine zentrale Rolle in der Politik spielt. In der Linguistik werden Auseinandersetzungen um die ,richtigen‘ Bezeichnungen als semantische Kämpfe bezeichnet. Die sprachlichen Mittel, die bei semantischen Kämpfen üblicherweise zum Einsatz kommen, stehen im Fokus der Ausführungen.

In den letzten Jahren sind vermehrt Stimmen laut geworden, die semantische Kämpfe sprachkritisch kommentieren. Es wird die Sorge geäußert, dass es nicht bei semantischen Kämpfen bleibt, sondern die Grenzen des Sagbaren im öffentlichen Diskurs immer wieder überschritten werden. Dass Phänomene wie Fake News oder Hate Speech der Demokratie und dem gesellschaftlichen Zusammenleben schaden, ist dabei unbestritten. In einem Ausblick soll daher der Frage nachgegangen werden, ob sich Spielregeln für eine demokratische Kommunikation formulieren lassen.

Prof. Dr. Thomas Niehr studierte Philosophie, Germanistik und Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Nach der Promotion im Jahr 1993 wechselte er an die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, wo er sich im Jahr 2002 im Fach Germanistische Sprachwissenschaft habilitierte. Seit 2004 forscht und lehrt er an der RWTH Aachen, wo er die Professur für Germanistische Sprachwissenschaft bekleidet. Von 2011 bis 2021 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sprache in der Politik. Er engagiert sich in der Gesellschaft für deutsche Sprache und leitet deren Zweigverein in Aachen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Analyse politischer Sprache sowie der linguistischen Sprachkritik. In den letzten Jahren ist der Bereich rechtsextremistischen Sprachgebrauchs und die damit verbundene Sprachverrohung zu einem wichtigen Thema seiner Forschung geworden.

Kooperation und Vertrauen sind zentrale Voraussetzungen für Erfolg in Wirtschaft und Politik, aber auch im Sport und allgemein in unserer Gesellschaft. Matthias Sutter erklärt in seinem Vortrag, warum das so ist, wie sich beides mit dem Lebensalter verändert und unter welchen Bedingungen Kooperation und Vertrauen gedeihen können.

Zahlreiche Studien belegen etwa, dass Kooperation Unternehmen erfolgreicher macht: Das betrifft Profite, die Zufriedenheit der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterfluktuation. Nicht egoistisches Verhalten, sondern Teamarbeit führt langfristig zum Erfolg und es ist eine Mär, dass es auf den Ellenbogen-Einsatz ankommt. Im wechselseitigen Umgang kommt es dabei auch auf einen Vertrauensvorschuss statt übermäßiger Kontrolle an. Das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ beschreibt darum kein optimales Vorgehen.

Welche Rolle Erziehung und Bildung in diesem Zusammenhang spielen, ist ebenfalls Teil des Vortrags. Kinder lernen kooperatives Verhalten durch ihr Umfeld. Besonders das Verhalten der Eltern prägt ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Insgesamt zeigt sich, dass Vertrauen und Kooperation entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.

Prof. Dr. Matthias Sutter ist Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn und Professor für experimentelle Wirtschaftsforschung an den Universitäten Köln und Innsbruck. Nach Promotion und Habilitation in Volkswirtschaftslehre in Innsbruck führte ihn seine akademische Laufbahn u. a. ans Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena, die Universität Göteborg und die European University in Florenz. Der gebürtige Vorarlberger konzentriert sich in seiner Forschung auf die Fragen, was Kinder und Jugendliche im späteren Leben erfolgreich macht und welche Rolle der menschliche Faktor im Berufsleben spielt. Seit 2024 ist Sutter Mitglied in der Nationalen Akademie der Wissenschaften („Leopoldina“). Neben über 150 referierten Publikationen in Fachzeitschriften schrieb er bereits zwei Bestseller: „Die Entdeckung der Geduld“ (2. Auflage 2018) und „Der menschliche Faktor oder worauf es im Berufsleben ankommt“ (2. Auflage 2023). Im Februar 2026 erschien sein drittes populärwissenschaftliches Buch „Gemeinsam stark. Kooperation und Vertrauen: Der Schlüssel zum Erfolg in Wirtschaft, Politik und Arbeitsleben“ (mit Martin Kocher).

Organisationale Fairness beschreibt, wie Beschäftigte die Gerechtigkeit von Entscheidungen, Verfahren und zwischenmenschlichem Umgang in Organisationen wahrnehmen und warum diese Wahrnehmungen grundlegend für Vertrauen, Kooperation und Konfliktlösung sind. Die Vorlesung führt in drei klassische Dimensionen ein: distributive Fairness (wie gerecht Ergebnisse wie Lohn, Anerkennung oder Aufgaben verteilt werden), prozedurale Fairness (wie fair Entscheidungsprozesse sind, z. B. Transparenz, Mitsprache, Konsistenz und Korrekturmöglichkeiten) und interaktionale Fairness (wie respektvoll und würdevoll Menschen behandelt werden, inklusive Informationsgerechtigkeit). Zudem wird beleuchtet, wie Fairnessurteile entstehen. Anknüpfend an die Ringvorlesung wird Fairness als sensibles Beziehungs- und Machtphänomen diskutiert: Macht zeigt sich nicht nur in formalen Hierarchien, sondern auch darin, wer gehört wird, wer Zugang zu Informationen hat und wessen Interessen in Entscheidungen zählen. Bereits kleine Regelverletzungen, unausgesprochene Erwartungen oder Intransparenz können soziale Gleichgewichte kippen, Misstrauen verstärken und Beziehungen belasten. Empirische Befunde zeigen, dass Fairnesswahrnehmungen Motivation, Gesundheit, Bindung und „Extra-Rollenverhalten“ fördern, während erlebte Unfairness Stress, Rückzug, Konflikte und Kündigungsabsichten begünstigt. Abschließend werden Ansatzpunkte für eine faire Beziehungsgestaltung vorgestellt: klare, nachvollziehbare Regeln, Beteiligung und Stimme („voice“), respektvolle Kommunikation, funktionierende Beschwerdewege sowie Führung, die Verantwortung übernimmt und Vertrauen aktiv aufbaut.

Prof. Dr. Thomas Rigotti studierte Diplom-Psychologie und promovierte an der Universität Leipzig. Seit 2013 ist er Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zudem leitet er seit 2020 eine Forschungsgruppe am Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) in Mainz. In seiner Forschung untersucht er, wie Arbeitsbedingungen, Führung und soziale Prozesse Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit beeinflussen mit besonderem Fokus auf Stress- und Resilienzmechanismen im Erwerbsleben. Inhaltlich arbeitet er unter anderem zu organisationaler Fairness und Vertrauen, gesundheitsförderlicher Führung sowie zum Zusammenspiel von Arbeitsanforderungen und Ressourcen. Ziel seiner Arbeit ist es, evidenzbasierte Ansatzpunkte für eine menschengerechte, leistungsfähige und resiliente Arbeitsgestaltung abzuleiten.

Vielfalt wird oft als Problem und nicht als Lösung betrachtet. Doch die Datenlage und die Forschung sagen etwas anderes. In ihrem Comic Essay „Proof of Work“ präsentieren die Arbeitsökonominnen Miriam Beblo und Julia Schneider gemeinsam mit der Illustratorin Zoe Branczyk empirische Nachweise für Instrumente, die Arbeitsmärkte besser und gerechter funktionieren lassen. Alle vorgestellten Instrumente wurden getestet, überprüft und in wissenschaftlichen Zeitschriften wie dem „American Economic Review“, „Quarterly Journal of Economics“ oder „Econometrica“ veröffentlicht. Um die Erkenntnisse zugänglicher zu machen, wurden diese zusammengefasst in einen Comic verwandelt (frei verfügbar unter www.comicproofofwork.org).

In ihrem Vortrag wird Miriam Beblo einen ökonomischen Blick auf den Arbeitsmarkt werfen. Sie wird die Vorteile der Vielfalt für Wachstum, Exzellenz und Innovation ansprechen und anschließend eine Auswahl von Instrumenten vorstellen, die diese fördern.

Miriam Beblo ist Professorin der Volkswirtschaftslehre am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg. Als angewandte Mikroökonomin forscht sie zu den Themen Arbeit, Familie, Gender und Migration. In der Lehre versucht sie, den praktischen Nutzen theoretischer und empirischer Erkenntnisse aus der VWL für die Politik in den Mittelpunkt zu rücken. Sie selbst hat dabei an vielen Stellen ihrer beruflichen Laufbahn Erfahrung mit wissenschaftsbasierter Politikberatung gesammelt und wirkt in zahlreichen politischen Beratungsgremien mit. Neben dem Forschungs-Praxis-Transfer engagiert sie sich in verschiedenen Gremien der Nachwuchs- und Forschungsförderung.

Im Zentrum des Vortrags „Ungerechtigkeit, Verzerrung, Verständigung – Sozialpsychologische Einsichten in die Logik von Konflikten und Mediation“ steht eine sozialpsychologische Perspektive auf Konflikte und deren Bedeutung für die Mediation. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwiefern die Mehrzahl der Konflikte nicht allein durch sichtbare Sachfragen entsteht, sondern wesentlich im subjektiven Erleben von Ungerechtigkeit wurzeln: Dieses Gerechtigkeitserleben kann Konflikte auslösen und verfestigen. Zugleich bietet es wesentliche Ansatzpunkte für ihre Bearbeitung. Bereits die Einsicht, dass Gerechtigkeit und Gerechtigkeitserleben im Plural zu denken sind, ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Lösung von Konflikten.

Ebenso bedeutsam sind soziale Wahrnehmungsverzerrungen, Fehldeutungen, kommunikative Eskalationsdynamiken und einseitige Zuschreibungen – sie können Konflikte zusätzlich verschärfen. Schon das Bewusstsein für diese Mechanismen kann daher zur Deeskalation beitragen.

Mediation wird vor diesem Hintergrund nicht nur als methodisches Verfahren, sondern als anspruchsvolle, fast „kunstvolle“ kommunikative Praxis verstanden, die psychologisches Wissen, Reflexionsfähigkeit und situative Urteilskraft verlangt. Durch Perspektivenwechsel, Selbstreflexion und einen genauen Blick auf die Tiefenstruktur von Konflikten fördert Mediation Verständigung.

Damit ist das Thema nicht nur für professionelle Mediationskontexte relevant, sondern auch für den Umgang mit Konflikten im beruflichen und privaten Alltag.

Elisabeth Kals ist seit 2003 Professorin für Sozial- und Organisationspsychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (https://www.ku.de/ppf/psychologie/psychologie3).

Im Zentrum ihrer Forschung steht die Trias „Verantwortung, Gerechtigkeit, Werte“. Diese Konzepte wendet sie auf unterschiedliche Fragestellungen und eine breite Palette von Handlungsfeldern an. Zusammen mit ihrem Team untersucht sie die motivationalen Grundlagen menschlichen Handelns und Entscheidens in unterschiedlichen Kontexten. Hierzu gehören die Motivanalyse freiwilliger sozialer Engagements, Handeln in Organisationen, vielfältige Fragestellungen der Gerechtigkeits- und Emotionspsychologie sowie die Analyse und Lösung sozialer Konflikte. Dabei stellt die Mediation auf psychologischer Grundlage einen besonderen Schwerpunkt in Forschung und Lehre dar. Sie ist auch selbst zertifizierte Mediatorin. Ziel und Motivation ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist es, psychologische Forschung für die Praxis nutzbar zu machen.

In der öffentlichen Diskussion wird seit einigen Jahren über das Schwinden des Zusammenhalts zwischen den Menschen und der Spaltung der Gesellschaft diskutiert. Während im 19. und 20. Jahrhundert die Gesellschaft entlang von Spaltungen zwischen ethnischen und religiösen Gruppen sowie zwischen Kapital und Arbeit beschrieben wurde, vermutet man im frühen 21. Jahrhundert Konflikte über Vorstellungen über die gewünschte Gesellschaft und über die Frage des Ausmaßes von Freiheitsrechten bestimmter sozialer Gruppen und ihrer öffentlichen Anerkennung. Im „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)“ machen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand von theoretischen Überlegungen und empirischen Studien ein genaues Bild davon, wie gespalten die Gesellschaft tatsächlich ist. In diesem Vortrag werden Befunde von Umfragestudien des FGZ vorgestellt. In diesen Studien wurde untersucht, wie gespalten die Gesellschaft über zentrale gesellschaftliche Werte, über Fragen von Politik und Demokratie und über den Klimawandel ist und inwiefern bestimmte soziale Gruppen von Ausgrenzung durch die Mehrheit der Gesellschaft bedroht sind. Die Befunde kommen zu dem für Manche überraschenden Befund, dass von einer ausgeprägten Spaltung der deutschen Gesellschaft nicht gesprochen werden kann.

Prof. Dr. Holger Lengfeld ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Gesellschaftliche Institutionen und Sozialer Wandel“ an der Universität Leipzig und Mitglied des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Er forscht über Zusammenhalt, soziale Ungleichheit, Europäische Integration, ethnische Diskriminierung und die gesellschaftlichen Ursachen politischen Verhaltens. Er war Mitinitiator des FGZ-Social Cohesion Panel, einer langfristig angelegten Umfragestudie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, und mehrere Jahre Vorsitzender der Akademie für Soziologie. Jüngste Publikationen sind eine Studie über Einstellungen zu ethnischer Diskriminierung in Bundesbehörden (2026, mit Koautoren) und eine Studie zu Klimawandel und gesellschaftlichem Zusammenhalt (2025, mit Koautoren).

Wie kann man gelingende soziale Beziehungen fördern und dazu beitragen, Konflikte zu lösen? Ob in Paarbeziehungen, am Arbeitsplatz oder im Miteinander von verschiedenen Gruppen – soziale Beziehungen prägen unser Leben, unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Soziale Beziehungen haben darüber hinaus weitreichende Auswirkungen auf unser Umfeld. In unserer Forschung untersuchen wir, wie man mit sozio-emotionalen Interventionen, die Fähigkeiten, wie Empathie, Mitgefühl oder Perspektivenübernahme stärken, dazu beitragen kann, das soziale Miteinander und das Wohlbefinden von Menschen zu verbessern. Hierbei untersuchen wir soziale Interaktionen in Partnerschaften, Konflikte am Arbeitsplatz und Gruppenbeziehungen.

Prof. Dr. Olga Klimecki leitet die Abteilung Biologische Psychologie an der Universität Innsbruck in Österreich. Sie studierte Neurowissenschaften (am University College London, Großbritannien) und Psychologie (an der Universität Mainz, Deutschland). Sie promovierte (Dr. phil., summa cum laude) an der Universität Zürich, Schweiz, und habilitierte sich (Dr. rer. nat.) an der Technischen Universität Dresden, Deutschland, wo sie 2020 und 2021 als Gastprofessorin für Psychologie tätig war. Zwischen 2013 und 2020 forschte sie an der Universität Genf in der Schweiz.

Ihre Forschung konzentriert sich auf die Förderung von Wohlbefinden und guten sozialen Interaktionen über die Lebensspanne. Olga Klimecki und ihr Team nutzen randomisierte kontrollierte Studien, um die kausalen Auswirkungen von verhaltensbezogenen, kognitiven und emotionalen Interventionen zu untersuchen. Diese Arbeit umfasst die Erforschung bio-psycho-sozialer Wirkmechanismen mit einem Schwerpunkt auf Gehirnfunktionen, Emotionen und sozialem Verhalten. Derzeit interessiert sich das Team besonders für die Auswirkungen von sozial-emotionalen Lerninterventionen auf das Wohlbefinden von Jugendlichen und ihren Lehrkräften. Olga Klimecki ist (Co-)Autorin von über 100 Publikationen, hat mehrere Förderungen und Auszeichnungen erhalten und war Co-Leiterin der bislang längsten Meditationsstudie – der Medit-Ageing-Studie. In ihrer Freizeit praktiziert Olga Klimecki Achtsamkeitsmeditation. Sie ist zertifizierte Achtsamkeitslehrerin.

Aufzeichnungen: Die Beiträge werden bei Einverständnis der Referent*innen aufgezeichnet. Livestreams sind nicht vorgesehen. Die Links zu den Vortragsaufzeichnungen werden in der Regel am Tag nach der Veranstaltung hier auf dieser Internetseite bei dem jeweiligen Vortrag veröffentlicht.

ICS-Kalenderdatei: Die Termine der Vorlesungsreihe „Wie wir miteinander umgehen …“ können Sie sich hier in Ihren elektronischen Kalender herunterladen.

Einfahrtserlaubnis auf den Campus: Seit dem 01.02.2023 gibt es für Gäste ein Freikontingent von 30 Stunden pro Jahr für die Einfahrt mit dem PKW auf den Campus. Anhand der Kennzeichenerkennung bei Ein- und Ausfahrt wird die Verweildauer auf dem Campus automatisch ermittelt und mit dem Freikontingent verrechnet. Weitere Informationen finden Sie hier.